Wenn mich während der Ausbildung zur psychosozialen Beraterin jemand gefragt hat: „Kannst du dir vorstellen, als Trauerbegleiterin zu arbeiten?,
war meine Antwort immer dieselbe:
„Ich? Niemals! Das ist doch voller Schwere und Tragik, da gibt es nichts Positives, nichts Schönes.“
Wie wenig ich damals doch verstanden habe…
März 2022
Meine Mama ist tot.
Plötzlich, unerwartet, unbegreiflich.
Wochenlang stellte ich mir jeden Tag dieselben Fragen:
Wie konnte das passieren?
Warum genau so?
Ich funktionierte.
Ich war stark.
Der Fels in der Brandung- für alle anderen.
Nur nicht für mich.
Ich nahm mir keine Zeit. Keinen Raum. Keine Erlaubnis, „richtig“ zu trauern.
Ich lebte nach dem Satz, den so viele sagen- vielleicht aus Hilflosigkeit:
„Das Leben muss weiter gehen“.
Ja, mein Leben ging weiter.
Aber ihres nicht.
Und genau das ließ mein Herz zerbrechen.
März 2026
Mein Papa ist tot.
Wieder plötzlich. Wieder unerwartet.
Und wieder steht alles still.
Aber dieses Mal ist etwas anders.
Ich halte inne.
Ich fühle.
Ich trauere- für mich.
Ich bin nicht mehr der Fels.
Ich bin Mensch.
Ich höre auf meine Bedürfnisse.
Ich gebe meiner Trauer Raum.
Und ich lasse zu, was da ist.
Was sich verändert hat?
Alles.
Zweieinhalb Jahre Ausbildung zur psychosozialen Beraterin.
Erfahrungen. Begegnungen. Tiefe Prozesse.
Und der Mut, all das wirklich in mein Leben zu lassen.
Ich habe nicht nur gelernt, was Trauer ist.
Ich habe gelernt, sie zu leben.
Und plötzlich wurde aus dem, was ich einst abgelehnt habe, meine Berufung.
Heute weiß ich:
Trauer ist nicht nur dunkel.
Sie ist weich.
Echt.
Verbindend.
Und ja- auf leise, tiefe Weise auch schön.
Mein Weg hierher war nicht geradlinig.
Matura. Studium ohne echtes Ankommen. Bürojobs. Kinderferienprogramme. Schließlich ein Job, den ich liebte, den ich aber aufgrund äußerer Umstände aufgab.
Und doch war da immer dieser eine rote Faden:
Menschen haben mir vertraut.
Haben mir über ihr Innerstes erzählt.
Ich war immer die, die zuhört.
Erst durch meine Ausbildung zur Yogalehrerin und psychosozialen Beraterin wurde mir klar: das alles ist kein Zufall.
Zwischen dem Tod meiner Mama und dem meines Papas liegen vier Jahre. Vier Jahre und ein ganzes inneres Leben dazwischen.
Heute gehe ich einen anderen Weg.
Ich möchte dir zeigen, dass Trauer kein Feind ist.
Dass sie getragen werden kann.
Dass sie verwandeln kann.
Und dass es möglich ist, mit Liebe zu trauern.